National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0160 |
Chotscho : vol.1 |
| Chotscho : vol.1 |
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Bei der großen Menge der Fragmente von Seidenbildern, die uns bei unseren
Grabungen in Chotscho, in Toyoq und in der Stadt auf dem Yâr zufielen,
ist es leider ganz unmöglich, Alles in dieser Publikation wiederzugeben; eine
große Menge interessanter und wichtiger Stücke muß zurückstehen und wir schließen
die Wiedergabe dieser Art von Altertümern mit dieser Tafel ab.
a. Dieses Fragment eines vielleicht großen Bildes zeigt Kopf und Schultern eines
unter einem Baume stehenden oder sitzenden Bodhisattvas. Der Stamm des Baumes
nimmt die rechte Seite des Fragmentes ein; er ist von weißlicher Farbe und mit bräun-
lichen Flecken verschiedener Größe betupft. Von dem Laub und den Blüten ist nur
wenig erhalten.
Der Kopf des Bodhisattva ist von einem Nimbus umgeben, dessen Farben stark
erloschen sind; einige der konzentrischen Einfassungen scheinen mit roter Farbe aus-
gemalt gewesen zu sein. Über dem Nimbus schwebt, weiß und rot in der Art einer
stilisierten Wolke gemalt, ein mit drei goldenen Anhängern verzierter Schirm. Der
Kopf selbst ist nach Rechts gerichtet, das schöne Gesicht mit seinen mandelförmigen
Augen, hohem Nasenrücken und wohlabgesetztem Kinn soll wohl einen Inder dar-
stellen. Die schwarzen Haare treten in bogenförmig geordneten Löckchen unter dem
Diadem hervor, die Haupmmasse liegt in schweren Strähnen auf den Schultern. Das
Ohr ist ohne Schmuck, der indes vielleicht nur erloschen ist: die Art, in der rote
Farbe über das Gesicht etc. verteilt ist, weist darauf hin, daß das Bild einige Zeit den
Einflüssen der Witterung ausgesetzt gewesen ist.
Die Krone ist von Gold mit Verzierungen von roten Edelsteinen (oder Blumen)
an den Seiten, an denen goldene Hängeornamente angebracht sind. Die Enden eines
weißen Kopftuches hängen von der Krone herab und fallen unter dem Ohre auf die
Brust herunter.
Wer die dargestellte Gottheit ist, können wir nicht angeben; auf der Stirn trägt sie
ein ûrnâ-ähnliches Mal (oder ein Kastenzeichen?). Einige Blätter dienen als Raumfüller.
Fundort: der „Handschriftenraum", Toyoq.
b. Dies Fragment ist, wie sich aus dem Randstück rechts ergibt, ein Überbleibsel
eines größeren Seidenbildes. Erhalten sind nur zwei Begleitfiguren.
Der Hintergrund des Bildes ist, wahrscheinlich mit echter Ultramarinfarbe, blau
ausgemalt; das angesetzte Randstück ist ein Stück groben, wohl aus Ramiefasern ge-
webten Stoffes.
In der rechten oberen Ecke erblickt man Teile des roten Gewandes einer dritten,
zerstörten Figur; mehr nach rechts sehen wir die Darstellung einer interessanten Art-
haftiger. Der Kopf ist teilweise zerstört, doch können wir erkennen, daß die Haare
dunkelblau gemalt waren. Das volle Gesicht trägt den unbewegt ruhigen Ausdruck,
den wir bei den indischen Mönchen der Tafel 16 kennen gelernt haben: das langsaus-
gezogene Ohr ist ohne Ohrpfluck; auf der Stirn scheint das ûrnâ-Mal zu fehlen. Ein
roter, mit Gold umrandeter Mantel oder Rock scheint beide Schultern leicht zu be-
decken und unterhalb der unbedeckten Brust um den Körper geschlagen zu sein. Der
nackte rechte Unterarm ist zur Brusthöhe erhoben; die Hand ist mit vorstellender
oder empfehlender Gebärde gegen die zweite Figur, einen Brahmanen, gerichtet.
Hinter den Schultern des Mönches erscheint eine aus lodernden Flammen bestehende
Aureole; die Flammen sind entweder mit Gold, oder mit lichtblauer Farbe dargestellt:
die goldenen Flammen sind durch scharlachrote, die lichtblauen Flammen aber durch
weiße und schwarze Linien gegliedert.
Die zweite Figur stellt einen anbetenden Brahmanen dar. Er ist mit einem roten
Gewande bekleidet, von dem ein schmaler, über die sonst nackte Schulter ge-
schlagener Zipfel in der unteren rechten Ecke des Fragmentes sichtbar ist. Während
bei der Mönchsfigur die Haare blau, die Augenbrauen rot und schwarz gemalt sind,
sind bei der Gestalt des Brahmanen sämtliche Umrißlinien außer denen des Auges,
die schwarz sind, in roter Farbe ausgeführt. Auch die entfleischte Brust mit dem her-
vortretenden Schlüsselbein und den zu hoch angesetzten Rippenknöchen ist in roter
Farbe gemalt.
Bemerkenswert sind das in einen Schopf aufgebundene Haar, die gebogene Nase,
die nach außen herabgezogenen Augenbrauen und Augen, der fast schmerzlich ver-
zogene Mund und der volle, spitz zulaufende Bart. Die anbetennd zusammengelegten
Hände verweisen durch ihre Magerkeit auf das Alter und die kasteiungsvolle Lebens-
weise des Brahmanen.
Die langausgezogenen Ohrläppchen tragen keinen Schmuck; das rechte Handge-
lenk ist mit einem goldenen Bande verziert.
Die Fragmente von Bildern dieser Stilart sind nicht häufig und auf den einen
Fundort beschränkt.
Fundort: Der Gang neben der „Bibliothek", Ruine K, Chotscho.
c. Das Bildchen ist der Überrest einer Avalokiteśvara-Darstellung.
Die Gottheit erscheint in indischer Göttertracht; um den sonst unbekleideten
Oberkörper ist ein roter Schal gewunden; ein braunes Halsband umschließt den Hals-
ansatz, während ein reiches Goldgeschmeide auf der Brust ruht.
Die Ohren sind mit schweren Goldpflöcken verziert; die niedere Krone sitzt auf
dem in bogenförmigen Löckchen auf der Stirn gesammelten schwarzen Haaren; ein
weißes Kopftuch läßt seine Enden an beiden Seiten der Krone flatternd hervortreten.
Die Aureole hat zum Teil wohl ihre ursprünglichen Farben eingebüßt; die innere
Kreisfläche war augenscheinlich rot umrandet.
Das Gesicht trägt ostasiatisches Gepräge besonders durch den scharf gezogenen
inneren Augenwinkel und durch die schräg gestellten, geschlitzten Augen. Auf der
Stirn erscheint ein ûrnâ-ähnliches Mal.
Oberhalb des braunrot gemalten Mundes ist mit derselben Farbe ein kleiner
Schnurrbart aufgemalt; am Kinnannsatz wächst ein winziges, dreieckiges Bartflöckchen.
Die Zeichnung des Gesichts ist in grauen Umrissen angelegt (Schablonentechnik!);
der Maler hat sie später mit roter und rotbrauner Farbe nachgezogen, aber hier und
da der grauen Vorzeichnung nicht genau gefolgt, so daß sie noch zu sehen ist.
Die linke Hand der Gottheit ist lehrend erhoben; ob der nach rechts aus der
Hand sich erhebende dreifach gestielte Zweig der Rest einer Blütenranke ist, lassen
wir dahingestellt.
Zehn kleinere, und wie es scheint weibliche Köpfe mit kleinen Kronen umgeben
das Haupt, und zwar ruhen fünf in einer Reihe auf dem Rande des Diadems, zwei
sind nebeneinander über dieser Reihe angebracht — ein einzelner Kopf krönt diese
Pyramide. Die zwei übrigen Köpfe erscheinen am Halse in der Ohrgegend.
Fundort: die „Stadt auf dem Yâr".
d. Fragment der Darstellung eines Bodhisattva. Das Gesicht der Gottheit fällt
durch die geschlossenen Augen und den seltsam zugespitzten Mund auf. Die Züge
sind weich und voll, die Falte des inneren Augenwinkels ist stark betont. Die Farben
sind augenscheinlich durch Feuchtigkeit ausgelaufen und erloschen: die Mitte des
Gesichts zeigt die olivengraue Färbung des Hintergrundes, während scharlachrote
Töne am Oberrand der Stirn, den Ohren, Schläfen und Wangen erscheinen. Das
Haupthaar ist auf dem Scheitel in einen hohen Schopf gebunden; auf der Stirn ist es
in bogenförmige Löckchen geordnet. Das Nackenhaar ruht auf der Schulter.
Eine sehr schöne Krone ziert das Haupt. Sie besteht aus einem schmalen Reif,
auf dem allerlhand Blattwerk sich rankt; oberhalb der Stirnmitte erhebt sich ein ovaler
unten abgeplatteter Schild, der von einer aus dem Rankwerk herauswachsenden
Perlenschnur umgeben und mit einem, einen Edelstein oder eine Goldperle tragenden
Halbmond gekrönt ist. Ob auf dem Schilde eine Amitâbha-Figur dargestellt war, läßt
sich nicht ermitteln.
Am rechten Ohr hängen schmale Blätter einer weißlichen Blume(?) herab.
Von Schmuck und von der Kleidung ist nicht viel mehr als die Konturierung
übrig geblieben; vielleicht ist dasselbe auch bei dem Gesicht der Fall, wodurch sich
dessen fremdartige Ausdrück erklären würde.
In der erhobenen rechten Hand trägt der Bodhisattva eine Lotusblume, deren
Farben verschwunden sind; die Hand ist von unnatürlicher, scharlachroter Farbe.
Die Aureole scheint carminrot mit breiter scharlachroter Umrandung gewesen
zu sein.
Fundort: Der „Handschriftenraum", Toyoq.
e. Um einen Begriff von den zu diesen, wie auch zu den Wandgemälden ver-
wandten Schablonen zu geben, haben wir hier ein Fragment eines solchen Hilfsmittels
der alten Kunst-Handwerker wiedergegeben.
Es ist ein Stück Papier, auf dem die Umrisse einer Gottheit (Avalokiteśvara?) in
Tusche aufgezeichnet sind. Um die Zeichnung als Schablone zu benutzen, hat man die
Konturen mit einer großen Anzahl von Nadelstichen durchlöchert.
Bei der Benutzung preste man die Schablone wohl fest gegen die geweiße Wand
und schlug einige Male mit einem mit Kohlenstaub gefüllten Beutel auf das Papier:
durch dieses Verfahren entstanden Umrisse so man dann entweder mit Tusche,
oder gleich mit den gewünschten Farben nach.
Fundort: Der Gang neben der „Bibliothek", Ruine K, Chotscho.
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