National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books

> > > >
Color New!IIIF Color HighRes Gray HighRes PDF Graphics   Japanese English
0172 Auf Hellas Spuren in Ostturkistan : vol.1
Buried Treasures of Chinese Turkestan : vol.1
Auf Hellas Spuren in Ostturkistan : vol.1 / Page 172 (Grayscale High Resolution Image)

New!Citation Information

doi: 10.20676/00000198
Citation Format: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR Text

kaschyapa die Füße des Herrn mit einem Kuß begrüßt hat. Dieser
letztere Tempel gab uns das ganze Bild, welches sehr wohlerhalten
nach Berlin gelangte und in seiner 4 zu 2 m großen Fläche die be-
kannte Legende vor Augen führt.
Nicht immer war der Aufenthalt in diesen Höhlen ohne Gefahr.
So arbeiteten wir in der „größten Höhle" unter ständiger Auf-
merksamkeit auf die Decke. Sie hatte große Risse und bei jedem
Hackenschlag rieselte Sand herab oder kleinere Steine fielen in
Menge auf die Arbeiter herab. Es gelang indes, ohne Unfall die
Höhle zu entleeren. Sie war dadurch interessant, daß an den Wän-
den Reste von sehr frühen Bildern mit einigen syrischen oder sogh-
dischen Charakteren gerade noch zu erkennen waren. Das Merk-
würdigste war aber ein prachtvoller Fries, der an den großen Po-
dien der Cella rechts und links entlanglief. Es waren Darstellungen
von gegenständigen sassanidischen Enten im antiken Perlenmedail-
lon, die je ein Juwelenhalsband im Schnabel trugen. Auch dieser
Fries konnte zum großen Teil geborgen werden.
Mit knapper Not entging ich einem Unglück in der „Einsturz-
höhle". Ich hatte diese Höhle von ihrem Schutt gesäubert und eine
große Menge hölzerner Figurenreste dort gefunden. Als ich mich
auf der rechten Seite des Einganges an die Wand lehnte, fiel plötz-
lich ein schmaler Verputzstreifen, der am Fußboden an dieser Wand
entlang lief, ab, und als ich betreten über diese Erscheinung, einige
Schritte zurücktrat, schwang sich plötzlich ein ungeheurer Stein-
block vollkommen lautlos aus der Wand heraus und stellte sich
wuchtig unmittelbar vor die Spitze meines rechten Fußes. Ich habe
diesen Ort verlassen. (Taf. 37.)
Ein sehr großer Tempel in der Nähe der Pfauenhöhle wurde von
uns der „Figurentempel" genannt, weil auf an den Seiten an-
gebrachten niedrigen Podien reihenweise außerordentlich schön im
Gandharastil modellierte Statuen gestanden hatten, von denen die
Unterteile zum Teil noch erhalten waren. (Taf. 39.) Rechts und links
neben dem Kultbild an den Korridoreingängen hatten zwei Stelen
gestanden, auf denen früher die Lehmstatuen in mehr als Lebens-
größe einer weiblichen und einer männlichen Gottheit gestanden
hatten. Beide Stelen waren umgestürzt und lagen im Schutt der
Cella. Man sah, an den Spuren und Dübellöchern des Fußbodens,
daß sie früher neben dem Kultbild gestanden hatten.
Die weibliche Figur war bis auf einige Reste zerstört. Der männ-
lichen Figur war der Kopf abgeschlagen, aber der Körper war voll-
kommen erhalten, und auch der Kopf fand sich später im Schutt.
Diese Stelen trugen Halbfiguren; nur der Oberkörper war, etwa