National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0145 |
Auf Hellas Spuren in Ostturkistan : vol.1 |
| Buried Treasures of Chinese Turkestan : vol.1 |
Citation Information
OCR Text
Reise nach Kaschghar, Zusammentreffen
mit Grünwedel. Beginn der III. Reise
Um drei Uhr morgens ritt ich allein mit meinem persönlichen
Begleiter, dem Mirab, von Aksü ab.
Wir legten die vierzehn Tagereisen nach Kaschghar in neun
Tagen zurück.
Der Mirab war in seiner Weise ein Original und besaß einen
unerschöpflichen Vorrat von Sprichwörtern und Liedern, die er mit
drolligem Humor von sich zu geben verstand. Um nun auf dieser
Eilreise wenigstens etwas zu lernen, ließ ich mir jeden Abend die
am Tage gehörten Sprichwörter wiederholen und schrieb sie auf.
Oftmals, wenn ich mich dann gelegt hatte und er zu Füßen
meines Bettes sich ein Lager bereitet hatte, kicherte er und sagte:
„Türäm, ich habe noch eins!" Und sofort kam das Notizbuch unter
dem Kopfkissen hervor und die türkische vox populi wurde der
Sammlung einverleibt.
Mein guter Brauner trat sich einmal einen Kiesel in den Huf
und lahmte stark. Der Mirab wußte sogleich ein vortreffliches Mit-
tel dagegen: er kaufte einem wandernden Bettler, der von Läusen
wimmelte, für einen „cash" einige dieser unbehaglichen Haustiere
ab, und setzte sie dem Pferd in die Ohren.
Nachdem ich den Kiesel entfernt, hörte das Tier dann wirklich
auf zu lahmen!
Für die Heilung von Druckstellen, die der türkische Sattel weit
seltener veranlaßt, als die schönen englischen Sättel, die wir aus
Berlin mitgenommen, aber bald abgeschafft hatten, hat man auch
ein sonderbares Mittel.
Man veranlaßt einen kleinen Knaben, etwa einen siebenjährigen,
sein harmloses Wässerchen auf die Druckstelle zu entleeren, und
siehe! schon ist sie geheilt. Ein Mädchen darf es unter keinen
Umständen sein; auch muß das Kind sich noch im zarten Alter
befinden.
Wir legten öfters an einem Tage zwei Tagereisen zurück, und
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