National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0212 |
Altbuddhistische Kultstätten in Chinesisch-Turkistan : vol.1 |
| Ancient Buddhist Temples in Chinese Turkistan : vol.1 |
Captions
| [Figure] Fig. 461. |
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Citation Information
OCR Text
eines gepanzerten Lokapāla (Fig. 460)¹), doch ohne Kopf und ohne Extremitäten, gefunden, außerdem Stücke
der übrigen und viele in Farben wundervoll abgestufte Blätter der Lotusblumen, auf welchen die Statuen
gestanden hatten. Auch fand sich ein unbärtiger Kopf.
Die am besten erhaltene Statue zeigt einen Panzer in altjapanischem Stil mit niedrigem Kragen,
Brustplatten mit Ringornamente, einer mit bunten Ornamenten prachtvoll bemalten Bauchberge, welche
bis zur Herzgrube reicht und die Brustplatten eindrückt. Daran schließt sich eine bis zum Knie reichende
Panzerschürze, zusammengesetzt aus mehreren Streifen einzeln aufgereihter, bunt bemalter Metallplättchen.
Über dieser Schürze hängt ein Pantherfell, von einem Gürtel gehalten. Die darunter hervortretenden Gewand-
teile sind in wundervoller Ornamentik (Blumenranken) bemalt. Der Stil ist identisch mit Höhle 14 (Haupt-
tal, von Ming-Öi beim Qumtura.
An den Seitenwänden ist in einer Höhe von 3,05 m eine 48 cm hohe Rille bemerkbar, in welcher Ansen
für Balkone gesessen haben. Auch an der Türw. ist in der Höhe von 2,90 m eine solche Rille, die aber kleiner
ist, bemerkbar. Von den Dekorationen, welche hier befestigt waren, ist nichts erhalten.
Wandgemälde. Von den Gemälden auf den Türww. läßt sich so viel sagen, daß auf beiden Flächen je drei
Reihen von Stiftern standen, welche völlig zerkratzt sind.
Von den Gemälden der Seitenwände ist in loco nichts mehr erhalten, außer Resten dekorativer Streifen
unten und sockelartigen Resten auf d. W. R. bei x. Doch fanden sich im Schutt noch abgelöste Reste von Ge-
mälden, welche ungewöhnliches Interesse hatten dadurch, daß sie Gegenstücke zu den arg zerstörten Bildern
in Höhle 14 (Haupttal) Ming-Öi beim Qumtura bilden. Es fanden sich Stücke mit Palastdächern und Interieurs
in chinesischem Stil. Merkwürdig war eines, welches einen dunkelfarbigen Mönch zu Pferde darstellte, welcher,
von einem Manne in chinesischer Tracht begrüßt, in einen Hof einreitet, wieder ein anderes zeigte einen dunkel-
farbigen Mönch, welcher einem Fürsten mit weißem Hut und einer Dame, welche beide vor ihm knien, predigt
und Reste von Dienergruppen, Soldaten usw. mit Gepäck und Fahnen, so daß der Gedanke nahe liegt, daß die
Einholung eines indischen Lehrers und Einsetzung in seine Lehrtätigkeit der Stoff der Darstellungen war.
Arg beschädigt, wie die abgelösten Bilder waren, machten sie den Transport unmöglich und ebenso eine Re-
konstruktion der Reihenfolge, wie sie an den Wänden gesessen hatten, da zu viel dazwischen verloren war.
Besonders schön und eigenartig war das Gewölbe der Höhle. Die Mitte nahm eine prächtige, jetzt fast
zerstörte Rosette mit Blumenmustern als innerem breiten Rand ein. An diese Mittelrosette schloß sich von
den Seitenw. aufsteigendes Baumgeast an, welches zahlreiche runde Felder bildete. In jedem dieser Felder
saß eine Gottheit en face (Fig. 461). Es sind mehr als fünfzig solcher Felder, wenn auch sehr verblaßt, noch
erhalten. Die stark stilisierten, an gotische Formen erinnernden Rankenbäume stehen im Wasser, welches den
unt. Rand bildet, und in welchem kleine Nāgas, als kleine, nackte Knaben mit Schlangen im Nacken, sich be-
wegen, Enten (Anas casarca) herumschwimmen und Lotusblumen auftauchen.
In den Gängen neben und hinter dem Pfeiler ist alles zerstört.
Höhle 9²). Diese Höhle (Fig. 462, 463) liegt eine ziemliche Strecke in NW.-Richtung von der Haupt-
gruppe der Höhlen entfernt, am Fuße eines besonders liegenden Hügelsystems, welches sich unmittelbar an
das Plateau angliedert, welches N. von der Hauptgruppe sich erstreckt und auf dessen höchstem Punkt
ein Stūpa mit einem kleinen, jetzt zerstörten, nach N. gewendeten Vorhof liegt. Diese besondere Hügelgruppe
schließt das ganze Tal N. ab, sie nähert sich dem vorspringenden Fuße des Hauptsystems so sehr, daß es deut-
lich ist, daß sie mit dem Hauptsystem einst vereinigt war und nur durch elementare Kräfte (Auswaschungen
durch den durch Regen angeschwollenen Schneeablauf der weiter N. liegenden hohen Berge) weggerissen worden
ist. Ein schweres Gewitter im Juni 1906 zeigte uns die furchtbare Macht derartiger Überschwemmungen nur zu
deutlich. In ein paar Stunden war das ganze Tal ein reißender Strom, den zu passieren viele Mühe machte
und der uns sogar zwang, unsere Arbeiter in den Höhlen zurückzulassen und ihnen am andern Tage erst den
nötigsten Proviant zuzuschicken. In den hohen Bergen, N. von unseren Höhlengruppen, fiel damals Schnee
in Menge, und ein paar reisende Türken, welche das Gewitter überrascht hatte, verloren das Leben.
Der dem Hauptsystem zugewendete Fuß der Hügelgruppe war schön geglättet und zu einer Plattform
gemacht, von der aus die Höhle zugänglich ist, ja es macht den Eindruck, als habe man noch die Anlage einer
zweiten Höhle geplant. Der Eingang ist in SO.-Richtung orientiert.
Höhle 9 hat im allgem. denselben Charakter wie die übrigen. Die ziemlich dicke Türw. zeigt noch Spuren
der alten Tür, welche innen breiter ist als außen. Der Raum selbst besteht wieder aus einer fast quadratischen
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