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0047 Die Buddhistische Spätantike in Mittelasien : vol.2
Postancient Buddhist Culture in Central Asia : vol.2
Die Buddhistische Spätantike in Mittelasien : vol.2 / Page 47 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000040
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TAFEL 5

Abb. a. Bruchstück einer illuminierten Buchrolle

Kat. No. I B 4957a * Größe: 17,3 x 13,6 cm * Fundort: Chotscho, Ruine a * Alter: ro. Jhdt. (?)

Ob diese Miniatur zur manichäischen Gruppe zu zählen ist, erscheint recht zweifelhaft. Weder im Stil der schlecht erhaltenen Malerei, noch in Schrift oder, soweit lesbar, im Inhalt des mitteltürkischen Textes, findet sich irgend etwas, was dies Fragment mit Sicherheit als manichäisch erkennen ließe. Im Gegenteil, es macht viel eher den Eindruck einer buddhistischen Darstellung.

Freilich muß man bei dieser Beurteilung den Text als nebensächlich von vornherein ausscheiden : augenscheinlich ist dies einer der in späteren Zeiten häufiger auftretenden Fälle, wo beschriebene Buchrollen auf der Schriftseite mit dünnem Papier überklebt und von Neuem benutzt wurden; ein Verfahren, das vielleicht auf Verfall hinweist und mit der Sauberkeit und glänzenden Ausstattung manichäischer Texte der besten Zeit in Widerspruch zu stehen scheint. Die Miniatur ist im „chinesischen" Stil gehalten und deutet auf eine späte Zeit, in der die west- und südasiatische Uberlieferung sich bereits chinesisch umgestaltet hatte.

Vom Text des auf die türkische Buchrolle aufgeklebten illuminierten Papieres ist nichts mehr vorhanden; nur Teile der durch die dick aufgetragenen Farben verstärkten illuminierten Fläche sind erhalten.

Wenn wir trotz dieser Zweifel das Bild hier wiedergeben, so geschieht es, erstens weil das Bruchstück mit anderen Manuskripten ausschließlich und deutlich manichäischer Art zusammen gefunden wurde — ein indicium von schwacher Beweiskraft, da Buddhisten, Christen und Manichäer unter der kräftigen Herrschaft der uigurischen Könige friedlich untereinander wohnten und sich allem Anschein nach zuweilen derselben Tempel für die Ausübung der verschiedenen Kulte bedienten ; zweitens, weil wir der Ansicht sind, daß die Miniaturmalerei Chinas auf der Grundlage der westlichen Kunstübungen dieser Art durch Abwandelung erstanden ist.

Das Bild zeigt eine schräg von r. nach 1. aufsteigende Reihe knieender Männer in chinesischer Kleidung, die in den Händen einen weißen stabartigen Gegenstand halten, den wir für das, Kuei genannte chinesische Würdezeichen halten möchten.

Nur der Kopf des ersten Mannes r. ist einigermaßen erhalten. Er trägt das oberhalb und hinter der Ohrgegend in Schleifen geknüpfte Kopftuch, das wir von der „Gandh-ara"-Miniatur (Taf. 6, Fig. c) kennen, und darüber eine eigentümliche Kopfbedeckung, die auf chinesischen Bildern in dieser Form oder in verwandten Formen öfters auftritt. Sie dürfte u. E. ihren Ursprung in mißverstandenen Wiedergaben der sassanidischen, mit Adlerfittichen verzierten Kappe haben.

In ziemlich gut erkennbarer Form hat sich diese Kappe erhalten auf einem der Wandgemälde von Murtuq (Chotscho, Tafel 28, unten 1. vom Buddha).

Abb. b, 1-3.

Drei Bruchstücke einer manichäischen Miniatur

Kat. No. I B 4971 * Größe: r) 6,4 x 4,8 cm. 2) 3,2 x 2,2 cm. 3) 3 x 1,5 cm * Fundort: Chotscho * Alter: B. Jhdt. (?) Entweder unfertig oder durch Abreibung der Farben verunstaltet, sind diese drei Fragmente eines Buches doch von hohem Interesse, denn sie machen den Eindruck großen Alters.

B r u c h s t ü c k t stellte augenscheinlich eine manichäische Trias unter Architekturteilen dar, und zwar scheinen wir hier ein Beispiel jener eckigen Wölbungen vor uns zu haben, denen wir schon in den Gandhära-Skulpturen begegneten. Sicherlich ist es Holzarchitektur; sie zeigt einfache Kerbschnittverzierungen und Reste von (zufällig haftengebliebenem?) Goldblatt. Sehr merkwürdig sind die rundlichen Objekte, die an kurzen Stielen oder häufiger auf runden knopfartigen Vorsprüngen an den Balken angebracht sind.

Von der Trias ist wenig erhalten, am besten noch Kopf und Oberkörper der Begleitfigur zur R. der Hauptperson, von der selbst nur einige Reste des Nimbus und der r. Seite vorhanden sind.

Die Begleitfigur trägt die weiße, gradlinige, hohe manichäische Mütze auf dem stark gewellten, unten sorgfältig in eine Locke geordneten Haar. Die Drapierung des Kleides ist in einfachen Linien ohne Ubertreibung dargestellt.

Ganz r. Reste einer kleinen auf einem Teppich knieenden Figur über drei zerstörten Zeilen Schrift.

Bruchstück 2 zeigt ein Architekturbruchstück mit einem knieenden (?) Geistlichen, an dessen Haar die beschriebene Behandlung besser ersichtlich ist als auf Frgt. I.

Auf B r u c h s t ü c k 3 nur noch Reste von drei Priesterhüten.

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