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0227 Alt-Kutscha : vol.1
Ancient Kucha : vol.1
Alt-Kutscha : vol.1 / Page 227 (Grayscale High Resolution Image)

Captions

[Figure] Fig. 79. Ornamentation (also otherwise frequent) from the Red dome cave, Klutst. p. 83. The colors change: light blue (here black), pink, white, lightgreen are most frequent. Strip partly red.Ornament (auch sonst häufig) aus der Rotkuppelhöhle, Klutst. S. 83. Die Farben wechseln: hellblau (hier schwarz), rosa, weiß, hellgrün sind am häufigsten. Bahnen z. T. rot.

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doi: 10.20676/00000192
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II,76 II,76

76. Die Szenen des vorliegenden Bildes
passen sich zwanglos in die Legende ein.
Die erste Darstellung stellt das Gespräch des
Brāhmaṇa Varṣakāra mit dem Könige dar.
Der herabstürzende Schirm muß in der Er-
zählung in ähnlichem Zusammenhang erwähnt
worden sein, wie beim Tode des Ānanda, des
Lieblingsschülers Gautamas. Da träumte dem
König, daß sein Chatra herabgestürzt sei.
Varṣakāra erklärt ihm den Vorgang, der gleich-
zeitig mit dem Erdbeben, dargestellt durch
den Einsturz des Berges Meru, anzunehmen ist.
Die Variante in der 3. Anlage, welche die
Merugruppe nicht hat, führt dafür den Ausritt
des Königs mit Varṣakāra in seinen vor der
Stadt liegenden Park ein. Interessant ist dies
Motiv auch insofern, als die großen Parks der
asiatischen Fürsten häufig nicht in unmittel-
barer Nähe des königlichen Palastes, sondern
in einiger Entfernung liegen. So hat heute
noch der König von Ha-mi ähnliche weiter
entfernte Gärten. Die letzte Szene ist im
Garten selbst zu denken und bedarf nach dem
Obengesagten keiner weiteren Erklärung.
Auf dem Tuche, welches Varṣakāra vor dem
König enthüllt, sind vier Szenen abgebildet:
die kürzeste Darstellung des Lebens eines
Buddha. Seltsamerweise folgen die Szenen
nicht in ihrer historischen Reihenfolge aufein-
ander, sondern sind so verstellt, daß sie sich
kreuzweise entsprechen, wenigstens was ihre
formale Anlage betrifft. Es sind dadurch die
gleich angelegten Szenen mit dem thronenden
Buddha en face auseinander gestellt. Ob künst-
lerische oder andere Gründe dabei mitwirkten,
wissen wir nicht. Nach der Reihenfolge ist
als 1. die Geburt Gautamas im Lumbinī-Parke
unten L. dargestellt, dann folgt 2. die Attacke
Māras auf Gautama darüber, dann als 3. neben
1. die bekannte Predigt im Gazellenparke
von Benares, und endlich 4. das Parinirvāṇa

Gautama Buddhas in abgekürzter Form oben
neben 2. In den Zwischenräumen zwischen
den Bildern und auf den oberen Zipfeln des
Tuches sieht man Kränze, Schmuckstücke,
Edelsteine mit leuchtenden Strahlen, über
der Predigt von Benares eine Turbinella und
eine seltsame, aus Spiralen bestehende Figur.
Eine ganz eigentümliche Rolle scheint dem
Svastika-Zeichen vorbehalten zu sein, welches
am Rande der Geburtsszene so angebracht
ist, daß es über das Bild hinaus fast auf
die Rückseite des dort umgelegten Bildrandes
übergreift. Wir werden nicht irren, wenn
wir das Zeichen auf den Segen beziehen,
den das aufgerollte Bild (das Aufrollen
selbst mag durch die Figur ausgedrückt sein)
seinen Beschauern bringt, während seine vier
Schenkel auf die vier Einzelszenen, die sich
kreuzweise entsprechen, hinweisen und sie
zusammenfassen.
Der Stil der vier Szenen ist der alte der
„Malerhöhle", unser 1. Stil. Man hat also eine
alte Partie benutzt und sie sorgfältig auch
im alten Stile ausgeführt. Es ist sogar wahr-
scheinlich, daß der Mann, welcher die schönen
Konturen ausgeführt hat, ein anderer war, als
der Maler des schematischen, großfigurigen
Bildes. Das einzige, was in der Zeichnung
ein Einreißen der Methode der 2. Stilart ver-
raten mag, ist die Manier, zwischen den Lang-
falten der Gewänder ziemlich regelmäßig kleine
Knicke anzubringen. Ich möchte aber darauf
keinen so großen Wert legen, da wir bloß
gezeichnete Proben der 1. Stilart sonst nicht
haben. Daß Stilart 2 aber diese Manier über-
treibt, ist zweifellos. Die abgekürzten Szenen
begnügen sich mit den nötigsten Personen,
von denen fast alle feste Typen sind, die sicher
hier nicht zum ersten Male erscheinen und
noch ein langes Leben in den späteren Stil-
arten führen.

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