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『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ
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| 0153 |
Alt-Kutscha : vol.1 |
| 古代クチャ : vol.1 |
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II,34
diese Mädchen weggehuscht an die Bergecke, den
Ort der Schattenbäume, die sich schmiegen an den
Gipfel des Felsens, denn sie sehen dort einen Ele-
fanten, duftübergossen und umgeben von Bienen,
die nach Mada-Saft gieren, der unsanft aufgerüttelt
ist durch die Wildheit eines Löwen." So rannte er
in dem schwer zu durchwandernden, mächtigen Ur-
wald herum, nichts anderes im Sinne, als wie er
Wasser und Früchte erlangen könnte; endlich er-
blickte er, wie der aufgehende Fürst der Dreiwelt,
eine im Sumpfe des Samsāra liegende Welt, die
vom Nebel der Dummheit finster umhüllt ist, die
Stadt mit Namen Ramanaka, mit aufgesteckten, hoch-
wehenden Bannern, flatterndem Geflügel gleichenden,
die Laute spielenden Frauen, mit goldgließenden
Sälen, Türmchen von Gold, mit Juwelen besetzt,
Häusern, groß wie Berge und wohl geschützt, mit
Lotusblumen in Reihen von Gruppen, mit fortlaufenden
Blumenbeeten, weinrot funkelnd durch die sich ent-
faltenden Nelumbien, anmutig durch den Gesang
der leise plaudernden Vögel, wenn leise Winde
wehen, so steht der Bau in Ewigkeit. Wünsche-
erfüllende Bäume sind dort, die die Rüsselfinger
von Götterelefanten knicken, Wiesen aus kostbarem
Smaragd, grün wie die leuchtenden Farben des
Papageis, dort wieder große Bäume, die Zweige um-
strickt von Lianen aus purem Gold mit Edelsteinen,
Wonne erregend, mit goldenen Gebäuden von der
Farbe frisch erblühter junger Karnikārablumen, ver-
ziert mit Türmchen aus allerlei Edelsteinen. So be-
gab die Stadt den fürstlichen Berg, dessen breite
Edelsteingipfelfläche schon unter eignem Strahlen-
kranz funkelt, mit vollster Glorie, hier wundervoll
wiederhallend durch Töne großer Trommeln, an die
mutwillige Göttermädchen mit Fingerspitzen an-
schlagen, dort belebt von Gruppen liebestrunkener
Pfauen, die sich freuen über Donnerdrohnen der
regenreichen Wolke über ihnen. Bei diesen An-
blick wieder mit Lebenshoffnung erfüllt, ging er
langsam an die Stadt Ramaṇa heran. Da traten
aus der Stadt vier Feen (apsaras) mit lichten Ge-
stalten, wie mit flüssigem Gold übergossen, lockend,
mit Lotus-Augenpaaren, die wie weitgeöffnete Wasser-
rosen funkelten, mit langsam spielendem Gang; denn
die klirrenden, blitzenden Edelsteinschmuckstücke in
allerlei Formen waren schwer, mit leicht gebeugter
Körpermitte durch die Last des breiten Busens,
der Goldschalen glich; die knospengleichen Lippen
wie leuchtende Lotusblumenkelche, etwas ermattet
von der Berührung der Sonnenstrahlen, die sie
weckten, munter anzusehen in ihrem Hunderterlei,
was sie zierte: legten die Blumenhände beide vor
die Stirnen, neigten ihre Häupter vor den Füßen
des Bodhisattva Maitrakanyaka und redeten ihn an:
„Ein fröhliches Willkommen dir, dessen Antlitz leuchtet
wie der Mond, du Mehrer der Liebe bei dem Mädchen-
volk; dein Herz ist fröhlich im Göttertrunk der Güte,
du, dessen Entschluß ist, die Bodhi zu erlangen,
heute sind unsere Leiden gestillt, heute ist wieder
Lebenskraft in unseren Gliedern, alle Wonnen, deren
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Glück nur makelloser Liebe eigen ist, erwarten uns,
und alle Sorge ist aus unsern Herzen gewichen,
denen ein Stachel Schmerz bereitete. Da wir dich
nun hier getroffen, öffnete sich für uns ein Urwald
im Frühling, alles, was wir Frauen an edlen und
glückbringenden Werken vollbracht haben, dessen
Lohn und Wirklichkeit liegt vor uns. Also nicht
zaudern, genug, wozu noch länger warten? Heute
kann keine mehr von ihrem Kummer reden, daß sie
getrennt sei von Freunden oder Verwandten, eine
Rede, die so lästig ist. Wir, vier Apsarasen, sind
dir zu Diensten, kein Schatten kann mehr auf dich
fallen; wie herrlich sind unsere Edelsteine und Kleider,
unser Pfühl und noch herrlicher sind wir selbst. Du
hast die Macht eines Asurafürsten, du von uns ver-
lassener Gatte, also genieße dein Glück!" Es heißt
ja auch: Die, welche in großem Elend, gegen dessen
Schrecken es keine Abwehr gibt, nur kurz in der
Gegenwart beharren, die werden auch im Jenseits
rasch ans Ende gelangen, da sie noch von dem An-
falle des schweren Unglücks ohne Überlegung sind.
Als ob nicht immer durch den Tod die ständige
Trennung bevorstünde, jammern sie, wenn die
Trennung getrennt von ihnen geschah. In ihrem
Bewußtsein noch stumpf infolge eines Anfalls von
Schwäche, geraten sie durch den Eingriff der Liebe
in schiefe Lage. Als er also diese Stadt betrat, die
den Gipfel des Goldberges bildete, und in der ihm
Wohnung angewiesen war von herrlichen Feen,
deren prächtige Gürtel und Fußbänder klirrten, wurde
er von vielen mit verehrungsvoll gefalteten Händen
begrüßt. „Warum wohl kam dies leuchtende Strahlen-
licht einer Sonne, das so aus dem Verborgenen her-
vorbrach, was soll der Blumenbusch, der rasch herein-
fiel, wozu hat sich hier plötzlich eingefunden ein
Schutzgott, Haras Donnerkeil tragend?" So dachten
sie über ihn; sie, die in tiefem Dunkel sich loslösten,
deren Wimper-Metallglanz in der Finsternis sich ab-
zeichnete, die funkelnde Ketten trugen und deren
Leiber durch Juwellicht klar werden; sie, die in
Scharen kommen in den weitläuftigen Gebäuden,
die listig windschnell heraneilen und lustig andere
puffen, so daß sie die Gürtel verlieren. So betrat er
denn das Haus dieser Feen, das mit seinen wehenden
Bannern die Wolken zerteilte, indes die weite Halle
leuchtete durch Perlengirlandeu, da Juwellampen die
Dunkelheit vertrieben. Über den Unterhaltungen
in ihren Spielen, fröhlichen Reigen, Lachen, Seiten-
blicken und süßem Geplauder entging ihm, daß die
Zeit entwich, da sein ganzes Wesen der Leidenschaft
unterlag. Täglich verboten sie ihm, nach Süden
weiterzugehen, und gerade, da er immer so aufge-
halten wurde, um so mehr sehnte er sich, diese Rich-
tung einzuschlagen. Nur wer Gutes im Sinne hat,
wird uns diese Welt verbieten, und doch quält sich
ab des Menschen unklares Denken; würde er, solange
er in der Welt ist, dem treumeinenden Freundes-
worte folgen, so würde er nur den Himmel als
Höchstes achten, nicht im Traume befände er sich
dann in der Hölle.
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