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0126 Auf Hellas Spuren in Ostturkistan : vol.1
Buried Treasures of Chinese Turkestan : vol.1
Auf Hellas Spuren in Ostturkistan : vol.1 / Page 126 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000198
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86   A. v. Le Coq, Turfanexpeditionen

immer an meinen Karabiner und silberbeschlagenen Dolch heran-. zumachen suchte, die an einem Pfeiler in der Halle des Serai hingen. Er war so aufdringlich, daß ich ihn schließlich durch meinen Diener warnen ließ, von diesen Dingen fortzubleiben.

Im Serai zu Daban-tsching hatten wir drei große Räume. Ich gab zwei dieser Räume der Dienerschaft, im anderen, kleineren, lag ich selbst, unter meinem Kopf einen kleinen Koffer, in dem ich 6000 Rubel in Gold hatte, um sie in Urumtschi gegen chinesisches Geld zu wechseln. In der Nacht, als ich ruhig schlief, wurde ich rauh geweckt. Iwan, der deutsche Bursch, stand plötzlich zitternd vor meinem Lager mit einem Lämpchen in der Hand ; er stammelte: „Schießen Sie, Herr, schießen Sie, Herr, Räuber, Räuber!"

Ich sprang sofort auf, und mit dem Browning in der Hand folgte ich dem Burschen in das Dienerzimmer. Alles war in Aufregung, Sättel, Sattelzeug, Kleider, auch die meinen, waren verschwunden!

Wo der Dieb eingedrungen war, blieb uns zunächst unklar. Wir liefen, den Wirt zu wecken und fanden, daß das Tor verschlossen war, daß unsere Pferde im Stalle standen und nirgends die Spur eines Einbruches zu bemerken war. Auch von den Pferden der anderen Reisenden fehlte keines.

Als wir aber wieder in das Dienerzimmer zurückkehrten, sahen wir an der Wand gegen die Straße zu ein großes Loch, durch welches die Diebe eingedrungen waren. Es war nach Anfeuchtung des Löß mittels eingebohrter Löcher mit einem breiten, chinesischen Säbel in die Wand geschnitten worden und der oder die Räuber waren durch diese Öffnung eingedrungen. Das Klirren der Steigbügel auf dem Fliesen-Fußboden, hatte den Mirab geweckt, als die Diebe die Sättel stahlen. Die Diebe waren aber so flink, daß sie durch das Loch verschwunden waren, ehe man in dem stockdunklen Raum sie erblicken konnte. Ich kroch durch das Loch auf die Straße und fand gleich dort die Pappschachtel mit meinem Schutztruppen-Hut und etwas weiter das Päckchen, das meine Khakiuniform enthielt. Die Diebe hatten sich dieser Sachen, als für sie unbrauchbar, einfach entledigt. Sonst fehlte jegliche Spur.

Wären die Diebe zurückgekehrt, während wir im Serai nach ihnen suchten, so hätten sie ohne weiteres mein Köfferchen mit dem Geld, auf das sie es möglicherweise abgesehen hatten, leicht erbeuten können. Wir verrammelten das Loch sofort mit einem großen, chinesischen Tisch, stellten eine Wache daneben und durchsuchten mit Hilfe des Wirtes nunmehr das ganze Haus. Ein solches Serai (dort chin. dän genannt) besteht gewöhnlich aus einem großen Mauerviereck. Auf der Vorderseite befindet sich das große Tor,