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0022 Altbuddhistische Kultstätten in Chinesisch-Turkistan : vol.1
Ancient Buddhist Temples in Chinese Turkistan : vol.1
Altbuddhistische Kultstätten in Chinesisch-Turkistan : vol.1 / Page 22 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000191
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das untere Drittel war leidlich zu erkennen. Die Hauptfigur des Bildes, welches die ganze Wand füllte, war
ein thronender König. Darunter folgende Figuren:
1
8 7 6 2 4 5
3
1 Füße der groß dargestellten Hauptfigur, 2—8 in viel kleineren Dimensionen: 2 Frau mit Medizin-
schale, Fig. 25, 3 sterbende Frau, 4 Mönch, 5 stehende Frau, einen Fächer schwingend, 6 Frau, in trauernder
Miene der Sterbenden beihelfend, Fig. 26, 7 sitzender Mann, die Hände am Schwert, als ob er das Schwert ziehen
wollte, Fig. 27, 8 ein Mönch.
Eine Erklärung der Szene wage ich an das berühmte zerstörte Bild
der Sterbenden in Ajaṇṭā ¹), scheint aber inhaltlich nicht damit identisch zu sein.

Hauptgruppe am Fluß, Fig. 28. Höhle 14 (Kinnarî-Höhle).

Diese schöne und merkwürdige Höhle, Fig. 29, ist sehr zerstört. Die Hauptanlage ist dieselbe, wie die
meisten Höhlen: eine Cella überspannt von einem Tonnengewölbe, mit einer Buddhanische in der Rückw.,
neben der Nische wiederum die gewölbten niedrigeren Seitengänge, welche in einen Quergang hinter die Nische
münden ²), Fig. 2. Hier ist vor der Cella eine Vorhalle, die ein Vordach gehabt hat, erhalten mit zwei kleinen
Seitenkapellen, von denen die R. liegende noch leidlich erhalten, während die gegenüberliegende zerstört ist.
Diese erhaltene Seitenkapelle ist eine verkleinerte Kopie des Hauptsystems, doch so, daß die Nische durch einen
Pfeiler ersetzt ist, um den herum ein bogenförmiger gewölbter Gang führt.
Bemalung der Höhle. Die Gemälde der Höhle sind in uighurisch-chinesischem Stil und würden noch
merkwürdiger sein, wenn sie nicht so schrecklich zerschlagen, zerkratzt und verräuchert wären, denn sie ent-
halten ungewöhnliche Bilder.
Seitenkapelle. Decke, Seitenw. und die ob. Hälfte der inn. Türw. sind mit den tausend Buddhas
bemalt. Auf der unt. Hälfte der Türw. R. ist Avalokiteśvara in chinesischem Stil, auf der anderen
Türw. ein Buddha gemalt. Im Rundgang waren stehende Buddhas und Bodhisattvas abgebildet, sie sind
aber jetzt vom Rauch völlig geschwärzt.
Cella. Türw. Über der Tür in der Lünette war ein figurenreiches, prachtvolles Parinirvāṇabild, welches,
herausgenommen und nach Berlin gebracht wurde. Die unt. Türww. sind sehr zerstört, doch ist erkennbar,
daß auf der Wandfläche R. ein Avalokiteśvara in Lebensgröße gemalt war, auf der and. Türw. der Stifter
der Höhle in chinesischer Tracht mit einem schwarzen Käppchen, ein weißes Tuch haltend, jetzt sehr zerstört.
Ein kleiner Knabe mit schwarzem Käppchen steht hinter dem Stifter. Er ist durch Ketmenhiebe verunstaltet.
Der Name des Stifters, welcher in chinesischer Schrift auf einer besonderen Tafel daneben stand, ist ebenfalls
vernichtet. Neben dieser Tafel ist eine unlesbare Zeile in uighurischer Schrift.
Gewölbe. Die Mitte des Gewölbes bildet eine prachtvolle Rosette, daneben breite Streifen wunder-
voller Blumenornamente. Darunter laufen in langen Streifen auf beiden Hälften des Gewölbes kleine und
stark abgekürzte Buddhafigürchen stausend Buddhas hin.
Das vorspringende Gesims, welches das Gewölbe, über den Seitenw. abschließt, ist im Mittelfeld leicht
gerundet und zeigt wunderschöne Blumenornamente mit dazwischen stehenden Kinnarî-Figuren, Fig. 30.
Rückwand. In der Lünette war eine kleine Nische, welche, dem Parinirvāṇa auf der Türw. als Gegen-
stück, Gautama Buddha unter dem Bodhibaum enthielt. Die Nische ist rings mit schönen, heranliegenden
Devatās umgeben. Unter dieser Gruppe war zwischen den Eingangstüren der Seitengänge ein prachtvoller
gemalter Thron, umgeben von Bodhisattvas, Devas und Devakanyās. Er ist sehr zerschlagen. Unmittelbar
über den Türen sind als Parivāra der Hauptfigur zwei Bodhisattvagruppen abgebildet.: R. von der zu ergän-
zenden Hauptfigur Samantabhadra auf einem Elefanten reitend, mit einem zahlreichen Parivāra und L. Mañ-
jughosa auf dem Löwen reitend. Die Gruppen ähneln sehr den bei Höhle 33 erwähnten, welche dort in den
Seitengängen abgebildet sind. Es ist also als Hauptfigur vor der Rückw. Avalokiteśvara zu ergänzen.
Seitenwände. Die Seitenwände enthielten je in der Mitte ein großes figurenreiches Bild mit Buddhas
und Bodhisattvas, Tempeln und Terrassen, fliegenden Göttinnen und zahlreichen niedrigen Gottheiten: Nāgas,