National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0229 |
Altbuddhistische Kultstätten in Chinesisch-Turkistan : vol.1 |
| Ancient Buddhist Temples in Chinese Turkistan : vol.1 |
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Citation Information
OCR Text
223
Tempel c. Fig. 493 a, b.
Die Bergkuppe, welche mit den Tempelresten c gekrönt ist, zeigt nach S. eine geglättete, durch Mauer-
werk ergänzte Wand mit vielen großen und kleinen Nischen. Am Fuß dieser S.-Wand sind noch drei Höhlen
erhalten, die deutlich Reste einstiger Bemalung zeigen. Auf der Plattform des Berges sind
die Gebäude so zerstört und der Rest so verbacken, daß nur die folgenden Hauptanlagen
klar hervortreten:
1. drei oder vier (?) kolossale Nischen oder Zimmer, nach außen und nach innen ge-
wendet, im ganzen wohl ursprünglich acht; inmitten jedes dieser Zimmer finden sich sockel-
artige kolossale Reste, vielleicht die unteren Teile von sitzenden Buddhakolossen(?). Beim
Ausräumen dieser Zimmer wurden bei x Reste von uighurischen und tibetischen Handschriften gefunden.
Die tibetischen Manuskripte enthalten buddhistische Sûtras und haben die Eigentümlichkeit, daß jedesmal
hinter dem Worte Buddha oder dem Namen seines Zuhörers die kleine Figur der bezüglichen Persönlichkeit
en miniature gemalt ist, in Blattgold und feiner Gouachemalerei ¹).
2. Dieses Gebäude: eine Cella mit Umgang war offenbar die Hauptanlage des Systems. Die Wände
zeigen noch Reste uighurischer Inschriften: auch dort fanden sich Stücke uighurischer Manuskripte.
3. Dies ist ein kleines Zimmer, in dem nichts gefunden wurde.
4. Nach der O.-Seite hin liegt ein zweites kleines Tempelchen von demselben Charakter wie 2. Hier
fanden sich (das Tempelchen lag ganz in Schutt vergraben) viele Reste schöner, auf Seide gemalter Bilder.
Außer den drei Haupthöhlen ist der ganze Berg mit verräucherten, einst bemalten Höhlen unterwühlt.
Nach den darin gefundenen Spuren scheinen sie heute Aufenthaltsort von Wölfen zu sein.
Tempel Bäzäklik.
30. Sept.—26. Nov. 1906.
Diese großartige Anlage (Fig. 494), welche ich schon 1903 kurz besucht und über die auch Klements
in seinem Bericht einige Notizen gegeben hatte, habe ich in den angegobenen Wochen fast völlig räumen lassen,
alle Höhlen gemessen und beschrieben mit Ausnahme einer Höhle mit Annexen im Zentrum, welche Herr
von LeCoq vor meiner zweiten Ankunft gemessen hatte und von deren reichem Bilderschmuck fast alles nach
Berlin gelangt ist. Es ist dies auf dem beiliegenden Plan Anl. 9, über welche ich nur noch einige Notizen geben
werde, welche die Annexe betreffen.
Ich hielt es für notwendig, einmal einen noch leidlich erhaltenen Tempel ganz zu beschreiben, damit eine
Übersicht gewonnen wird, was diese Anlagen enthalten. Ohne ursprünglichen Plan angelegt, bildet auch dieser
Tempel ein Konglomerat von Höhlen und Freibauten, die sich allmählich, vielleicht nur um eine einzige Höhle
gruppierten, wiederholt Umbauten unterworfen und so also nie eigentlich fertig wurden. Auch hier wieder-
holt sich die Tatsache, daß dieselbe Höhlendekoration wiederholt wird, nicht nur im selben Stil also in derselben
Zeitperiode, vielleicht sogar von denselben Händen der Ausführenden, sondern es ergibt sich auch, daß bestimmte
alte Kultbilder in einer Zeit und vielleicht von Angehörigen eines Volkes wiederholt wurden, denen ein anderer
Stil geläufig war. Bei aller Buntheit der Formen, bei aller Regellosigkeit der Anlage ist also doch die Erhaltung
der überkommenen Kultbilder der ruhende Punkt. Ja, wenn ich einige seltsame Darstellungen richtig verstehe,
war da und dort das Auffinden zerstörter Figuren einer älteren Periode der Anlaß zu neuen Anlagen.
Immerhin gibt die abgeschlossene Lage des Tempels demselben einen gewissen gleichartigen Charakter.
So wie der Tempel heute sich darstellt, ist er schließlich nur der Rest einer ganz grandiosen Anlage,
deren fast sämtliche Freibauten entweder ganz verschwunden sind oder doch in Trümmern liegen. Einge-
schmiegt in eine, wie es scheint, künstlich vergrößerte Bergecke, sind gerade die Teile des Tempels noch am
leidlichsten erhalten, welche in der Ecke liegen, aber auch hier sind alle Vorbauten und Aufbauten ver-
schwunden ²). Der schlimmste Feind der Anlage ist ein gegenüberliegender riesiger Berg, welcher beständig
Schuttlawinen ins Tal sendet und dadurch das Fließchen der vortretenden Bergecke gegenüber unter die
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