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0194 Altbuddhistische Kultstätten in Chinesisch-Turkistan : vol.1
Ancient Buddhist Temples in Chinese Turkistan : vol.1
Altbuddhistische Kultstätten in Chinesisch-Turkistan : vol.1 / Page 194 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000191
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Besonderheiten, welche den Eindruck machen, als ob eine Hand, die einen anderen Stil zu malen gewohnt war,
bei der Reproduktion einer überlieferten Form in den Nebensachen in ihre Art zurückgefallen sei. Der im
Zenit der Höhle v. d. Tür nach d. Rückw. hinlaufende Streifen ist nicht mehr ganz erhalten, doch sieht man
noch Sonne und Mond, auf ihren Wagen fahrend, genau wie bei Qyzyl und vier weiße, fliegende Vögel.
Die Dekoration der Rückw. hinter der Buddhastatue, deren Lotusscheibe 70 cm im Durchmesser hat,
ist völlig zerstört.
Gemälde in den Gängen. In den wenig tiefen, 1,70 m hohen Seiteng. sind an den Innenseiten bei c, c′
zwei Reihen von Adoranten (Stiftern) dargestellt. Alle sind nach auß. gewendet, sie gelten also als Parivāra
der Buddhastatue vor der Rückw. Bei c′ sehen wir Mönche in roten und schwarzen Roben, bei c in der unt.
Reihe auch Laien mit merkwürdigem Kopfputz. Leider sind die Figuren bis auf die Köpfe fast ganz erloschen.
Erkennbar ist nur der Umriß einer nach hinten sich wendenden Figur, welche einen dunklen Kragenrock ge-
tragen hat und dazu eine schwarze, kahnartige Mütze (oder Hut) mit spitzem, nach vorne gebogenem, weiß-
gerandeten Kamm, hinter ihr eine andere geradeaus blickende Figur mit großer kugelförmiger Mütze von
hellgrüner Farbe mit einem schwarzen schmalen Quersamm und mehreren darüber und darunter hinlaufenden
weißen Streifen und einem aus ebensolchen Streifen gebildeten, nach vorne gewendeten, liegenden Kreuzorna-
ment (Fig. 430). Der Form nach ähnelt diese Mütze sehr den noch in Hami getragenen Brokatmützen, doch
sind diese mit allerlei Schmuckanhängern und einem Knopf an der Spitze verziert. Ähnliche Kopf-
bedeckungen, wie sie die beiden erwähnten Figuren tragen, habe ich nirgends sonst gesehen. Nur erinnere
ich mich, daß im Winter 1902 an der äuß. Türw. neben dem großen Turm des sog. Khāns Palastes in
Idiqutšähri beim Wegräumen von Schutt die fast erloschene, lebensgroße Figur eines bärtigen Mannes zum
Vorschein kam, welcher, wie ich damals zu erkennen glaubte, eine kugelrunde grüne Mütze mit Zackenkrone
darüber trug. Leider war das Bild weder transportierbar, noch war es mit Sicherheit möglich, die verlorenen
Konturen in einer Zeichnung zu fixieren. Ich erwähne dies hier, ohne auf diese Beobachtung besonderen
Wert zu legen.
Auf der gegenüberlieg. Langw. bei d, d′ ist je eine große, predigende Buddhafigur mit Adoranten dar-
gestellt. Aus dem Scheitel jeder von diesen Figuren kommen merkwürdige Strahlenbündel heraus, welche
reiche Ornamentik zeigen. Der Rand der Vesica der Buddhafiguren ist mit fliegenden, kranztragenden Tauben
ausgefüllt. Ähnliche Darstellungen habe ich ja auch in der stilistisch verwandten Höhle bei Qyzyl und auch
sonst dort gesehen. Eines dieser merkwürdigen Bilder ist ins Museum gelangt.
Auf den Gewölben der Seiteng. ist je ein Nāgarāja, offenbar Flußgötter des Landes als Ksitipati darge-
stellt (Fig. 431, 432). Der Nāgarāja zwischen c′ und d′ schreitet nach L., er trägt den in Qyzyl so oft vorkom-
menden Kragenpanzer mit Brustketten, Panzerplatten mit runder Kniescheibe auf den Füßen. Er ist unbärtig,
spitzohrg, schwarzhaarig, das Haar über dem Scheitel zu einem Busch durch eine mit Medaillon geschmückte
Kette aufgebunden. Hinter seiner Aureole erheben sich Wolkenballen, in denen drei Schlangen sichtbar sind.
Er trägt eine Fangschlinge. Zwischen seinen Füßen hockt ein hellgrüner, struppighaariger Dämon, welcher
den Pfeilköcher des Gottes und seinen in einem Schaft von Pantherhaut liegenden Bogen hält (Fig. 431).
Der Nāgarāja zwischen c und d ist ähnlich gepanzert, er trägt sein langes Schwert umgegürtet und
ebenso Bogenbehälter (L.) und Köcher (R.), mit der R. hält er ein großes Drachenbanner hoch, die Stange,
auf welcher der Drache aufsitzt, ist erloschen. Er trägt eine weiße, umgeklappte, runde Mütze mit sechs weißen
Quasten, die nach ob. stehen, seine Haare sind hochrot. Er steht auf einem niedergeknieten, weißen Kameel.
In den Wolken hinter der Aureole erheben sich vier Schlangenhaupter (Fig. 432).
Beide tragen hochrote, bis zum Knie reichende Röcke mit glockenförmigen Halbärmeln. Der Um-
stand, daß die inn. Höhle hier völlig verschüttet war, das Licht also auf die Farben keinen Einfluß ausüben konnte,
macht wahrscheinlich, daß die tiefbraunrote Farbe, welche auf den offen stehenden Gemälden bei Qyzyl so
oft in den Gewändern, besonders auch in den Panzerröcken erscheint, eine chemische Verwandlung dieser hoch-
roten Farbe ist. Wenn dies wahr ist, leidet die Farbenharmonie jener Bilder gegenüber der Wahrheit. So
unangenehm nun dies Hochrot bei Tageslicht wirkt, dürfen wir doch nicht vergessen, daß die Bilder zu der
Zeit, wo die Gewölbe noch erhalten waren, in Halbdunkel standen und daß die Beleuchtung durch Lampen
und Räucherkerzen die grellen Kontraste ausglich.
Bilder des hinteren Querganges. Der hint. G. hat dieselbe Höhe wie die Seiteng. Auf der inn. W. bei
e sind zwei Szenen übereinander, auf der äuß. W. e′ nur ein großes Bild: das Parinirvāṇa Buddhas. Es ist in
der gewöhnlichen Komposition dargestellt, dabei ist bemerkenswert, daß der meditierende Mönch vor Buddha
Subhadra, der letzte Ordinierte Gautamas, genau so dargestellt ist wie auf dem Tuche des Varasakāra in der
Māyāhöhle der 2. Anl. bei Qyzyl, S. 167, ebenso auch Vajrapāṇi, der seinen Donnerkeil weggeworfen hat.