National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books

> > > >
Color New!IIIF Color HighRes Gray HighRes PDF   Japanese English
0282 Altbuddhistische Kultstätten in Chinesisch-Turkistan : vol.1
Ancient Buddhist Temples in Chinese Turkistan : vol.1
Altbuddhistische Kultstätten in Chinesisch-Turkistan : vol.1 / Page 282 (Color Image)

New!Citation Information

doi: 10.20676/00000191
Citation Format: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR Text

stattung war das alte, etwas mehr als 18 m tiefe Gewölbe um 4,76 m verkürzt, d. h. die letzte Rückwand
stand in diesem Abstand vor dem verschlossenen leeren Rest der alten Höhle, welche einst anderen Zwecken
gedient hat (auf Fig. 368 punktiert). Überhaupt beginnt auf dem mittleren Teil der S-Terrasse mit dieser
Höhle eine Gruppe von Anlagen, welche, sämtlich umgebaut, nur in den trümmerhaften Resten ihrer
letzten Ausschmückung erhalten waren.
Die letzte Rückwand, über 4 m vor der alten, ist jetzt völlig weggebrochen. Damit ist das Kultbild
und aller Zubehör desselben verloren gegangen.
**Bemalung und Ausstattung der Seitenwände a, A.** Unmittelbar vor der zerstörten, eingebauten Rück-
wand ist auf beiden Seiten ein 3 m breites, 2,05 m hohes Bild gewesen; L. auf W. a ein Mañjuśrī, auf einem
Löwen reitend, umgeben von seinem vollen Parivāra, auf der gegenüberst. Seitenwand A ein Samantabhadra,
auf einem Elefanten reitend. Beide standen in einer reichen Berglandschaft mit vielen, kleinen Tempelchen,
Brücken, Flüssen, Bäumen usw., welche jetzt furchtbar verschmiert und verkratzt sind, so daß man nur
einzelne Teile erkennen kann. Beide Bilder waren kreisrund und umgeben von einem Kranz bunter Glücks-
wolken — sie waren also als große Halos gedacht, welche von beiden Seiten auf die Kultfigur auf d. Rückw.
— die doch wohl Avalokiteśvara war — hinschweben. In dem Kreise, dessen Mittelfigur der große Mañjuśrī
bildete, war in der Berglandschaft, oben vor dem Bodhisattva, ein Tempel abgebildet, über welchem eine Glocke
in der Luft schwebt. Ob die neben der Glocke in H. 26 noch abgebildeten, übrigen Embleme auch auf diesem
Bilde vorkamen, läßt sich, da das Bild zu sehr zerstört ist, nicht ausmachen. Samantabhadra ist noch mehr
zerstört, aber die Füße des Elefanten sind erhalten.
Auf Seitenw. a ist das nächste Bild in der Richtung zum Ausgang ein wandhoher, 1 m breiter Vajrapāṇi
mit Wedel und Donnerkeil, ihm entsprach auf der gegenüberst. Seitenw. ein ebenso großer Buddha, von
dem nur noch die Füße erhalten sind. Neben Vajrapāṇi standen in der Richtung nach der Tür zwei (ursprüng-
lich drei?) große, leere Throne. Der vordere (also wohl, wenn es drei waren, der mittlere) ist größer; jeder der
übrigens sehr übel erhaltenen Throne steht in einer auf die W. gemalten Gebirgslandschaft, und über dem
Thron war eine leere Aureole. Die uighurisch geschriebene Inschrift ist vernichtet. Dienten diese Throne
zum Aufstellen von Kultfiguren, die in Prozession herumgetragen wurden, oder galten sie als Ruhepunkte
für Gottheiten während eines Opfers? Die gegenüberstehende Wanddekoration ist vernichtet.
In den Ecken der Türw. (b, B) ist je eine sitzende Buddhafigur (ursprünglich 1,30 m hoch) auf einem
83 cm hohen Sockel erkennbar. Sie und die Sockel lagen vollkommen im Schutt vergraben, darum ist ihre
schöne, dekorative Bemalung noch leidlich erhalten. Über dem Sockel bei b sind an der Türw. Reste eines
prachtvoll gemalten Stifterbildes, 1,30 m hoch, zu sehen, und ebenso können wir auch für die andere Türw.
B Stifterbilder annehmen.
Die Sockel der Buddhas sind über 70 cm breit, 76 cm tief. Sie sind lediglich mit Ornamenten bemalt.
Nur der Sockel R. v. Eing. B, hat ganz unten an der Tür eine interessante Bemalung. Hier ist nämlich in das
Arabesken- und Blattornament (vgl. Fig. 569, 571, 572, 573) in fast mittelalterlicher Art das Bild eines
mönchischen Stifters hineingezeichnet, Fig. 570, offenbar ein Porträt, mit Rest einer uighurischen Inschrift.
War für die Figur neben den hypothetischen Stifterbildern der Wand kein Platz mehr, oder ließ sich der
Mönch absichtlich unten zu Füßen des Buddha darstellen, diese Frage ist, da das Türwandbild zerstört ist,
nicht zu entscheiden. Merkwürdig bleibt die übrigens schwer zu entdeckende Darstellung doch.
Auf der Türlaibung ist L. noch der untere Teil eines gepanzerten Keulenträgers («Tempelwächters»)
erhalten.
Das Gewölbe der Höhle war 4,70 cm hoch. Auf beiden Seiten des Gewölbes waren je acht Reihen
meditierender Buddhas gemalt, welche im Zenit sich mit den Scheiteln begegneten.

Höhle 22.

Diese Höhle, Fig. 574, S. 277, bildet den vordersten, größten Raum eines Systems von drei, nach innen zu
kleiner werdenden Höhlen, die jetzt durch schmale Zugänge verbunden sind. Die vorderste ist in ihrer letzten
Ausstattung abgeschlossen gewesen. Die Besucher, welche einen Weg durch die spätere Rückwand suchten,
haben dabei die alte Tür wieder geöffnet, indem sie den darübergeführten Verputz und die Vermauerung
dahinter durchbrachen. Die zwei einst abgeschlossenen Höhlen sind völlig leer, nie bemalt gewesen und zeigen
nur viele unregelmäßige Nischen: sie waren wohl Wohnhöhlen der älteren Zeit.
Die Gemälde der vordersten Höhle sind zerstört, waren aber einst sehr schön. Die Reste genügen, um
zu zeigen, daß die Bilder eine verkleinerte Wiedergabe der Gemälde von Anl. 4 und der verwandten Anlagen