National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0338 |
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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Am 27. Oktober gingen wir weiter nach Norden und zwar auf der Uferterrasse, die
etwa 20 bis 30 m über der Wasseroberfläche liegt und hier etwas kupiert ist. Der
Ufergürtel mit seinen Schluchten in den Thonbildungen und seinen Dickichten von Tama-
risken und Kamisch wird rechter Hand in ein oder ein paar Kilometer Entfernung ge-
lassen. Ein kleiner „obo" auf der Terrasse wurde Tsagan-namaguin-obo genannt. Der
Boden besteht aus grobem Sand, nur selten aus Schutt; Tamarisken sind hier sehr
selten. Rechts und links erheben sich kleine, sterile Thonhügel, welche von einer aus
Westen stammenden Rinne tief und schroff durchbrochen werden; enge und steile Hohl-
wege führen zwischen den Thonhügeln hinab; der Boden des Bettes ist mit nicht un-
bedeutenden Sanddünen bedeckt. Hier strömt gewiß nur zeitweise nach heftigem Regen
Wasser, den „sil"-Betten oder Sturzbächen Ostturkestans entsprechend. Zwischen den
Thonhügeln an beiden Seiten liegen mehrere kleine abflußlose Gebiete, deren Schlamm-
boden ganz horizontal ist.
Der Holuin-gol, welcher von dem Kurlyk-nor das Wasser nach dem Tossun-nor führt,
hat bei dem letztgenannten See eine breite, trompetenförmige Mündung, indem der Fluß
allmählich in den See übergeht. Am rechten Ufer, wo wir nach NNW wanderten, ist das
Terrain höchst unangenehm, es ist ein Labyrinth von Hügeln, Rinnen, Thonkegeln, hin
und wieder von trockenen Betten durchschnitten, die aus W in den Fluß münden und
offenbar nur nach Regen Wasser führen. In diesen so außerordentlich bizarr ausmodel-
lierten Boden ist der Fluß tief eingeschnitten; nur in der unmittelbaren Nähe ist sein
mäandrisches, reines, blaues Wasserband sichtbar in der gelben, öden Umgebung, sonst
wird der Fluß von den Thonhügeln versteckt. Im allgemeinen hat das Bett überall un-
gefähr dieselbe Breite, die Er-
weiterungen sind jedenfalls un-
bedeutend. Nur an den Ufern
wächst Schilf und Tamarisken in
sehr schmalen Gürteln. Enten kommen in großer Menge vor.
Eine von Westen ausmündende Rinne, die von zwei Armen gespeist wurde, hatte
nur an der Mündung Wasser, welches vom Holuin-gol aus in das Bett etwa 1 km hinauf-
stieg. Endlich wird das Terrain etwas bequemer, der Boden ebener, ohne Rinnen, und
die Terrasse fällt stellenweise senkrecht zum
Fluß hinab. Wo am rechten Ufer der Bong-
kim-obo mit seinem kleinen kubischen Tempel steht,
geht der Pfad über den Fluß. Derselbe war hier
30 m breit, hatte eine Maximaltiefe von 0,86 m
und eine mittlere Tiefe von 0,74 m, eine Stromschnelligkeit von 0,57 m und eine Wasser-
menge von 12,6 cbm; die Temperatur des Wassers betrug 4,6°. Da der Kurlyk-nor als
Klärungsbecken dient, ist das Wasser des Flusses vollkommen klar. Das rechte Ufer ist
steil, das linke steigt langsam, und der Boden ist hier, wo wir nach ONO reiten, hart
und eben.
Links breitet sich jetzt der Kurlyk-nor aus. Am Südufer zieht sich ein Gürtel von
Schilf hin, der ziemlich weit in den See hinaus geht. Zwischen diesem Schilfgürtel und
der Uferlinie giebt es jedoch oft offene Wasserflächen mit herrlichem süßen Wasser. Wo
der Holuin-gol aus dem See heraustritt, ist das Schilf so dicht, daß der Anfang des
Flusses ganz unsichtbar ist. Das Nordufer ist nackt und schilfrei; die Gebirge fallen hier
sanft zum See hinab, und ihre Abhänge sollen öde sein. Es ist ein großer Vorteil für die
Mongolen der Gegend, daß sich hier zwei Seebecken anstatt eines gebildet haben; das
nördliche bleibt dadurch immer süß. In der Nähe eines langen, schmalen Busens am Ufer
liegt der große „obo" von Hlakimto, bei dem wir lagerten. Am nördlichen Ufer soll die
Gegend Suruttule heißen; in NW mündet der Balduin-gol.
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